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Lernen statt belehrt zu werden

Seit 2001 wird jährlich am 4. Jänner, dem Geburtstag von Louis Braille, der Welt-Braille-Tag begangen. Dies ist Anlass für viele Medien sich mit Thema Braille und ihrem Erfinder ausführlich zu beschäftigen.

Unserer Meinung nach besonders gut gelungen ist dies „20 Minuten“ mit dem Artikel „Öffnen Sie die Augen für ein Braille-Quiz„.

Braille-Quiz bei 20 Minuten

Braille-Quiz bei 20 Minuten

„Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.“ (Jaques-Yves Cousteau)

Das Beispiel von „20 Minuten“ zeigt schön, dass es für Leserinnen und Leser sicherlich netter ist etwas zu lernen, als belehrt zu werden. Bitte nachmachen!

Deutsch ist nicht unbedingt verständliches Deutsch

„Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gleiche Sprache.“

Dieses Zitat wird häufig Karl Kraus zugeschrieben – was übrigens unrichtig ist.

Ich schreibe für den deutschen Nachrichtendienst kobinet-nachrichten und bemerke dabei immer wieder wie unterschiedlich die deutsche Sprache in Österreich und Deutschland verwendet wird. Dies gilt noch viel mehr für die Schweiz, wie folgendes Beispiel zeigt.

„Securitys stossen Rollstuhlfahrer“

So titelte „20 Minuten“ einen Bericht zum Bärenpark in Bern.

Wer nun eine Schilderung über einen tätlichen Angriff eines Wachpersonals auf einem behinderten Besucher erwartet, liegt erfreulicherweise gänzlich falsch. Man erfährt stattdessen: Statt in einen Treppenlift zu investieren, werden die Mitarbeiter des Security-Unternehmens SAS geschult, wie man Person mit einem Rollstuhl schiebt.

20 Minuten: Securitys stossen Rollstuhlfahrer

20 Minuten: Securitys stossen Rollstuhlfahrer

Man sieht wie vorsichtig man sein muss, wenn man Artikel für den gesamten deutschsprachigen Raum erstellt. Eine durchaus herausfordernde Aufgabe, wie die Praxis zeigt.

Genauere Betrachtung

Bei genauerer Betrachtung der Geschichte fällt allerdings doch eine Gewaltausübung auf. Das Vorenthalten der Barrierefreiheit (nämlich des Treppenlifts) ist durchaus Gewalt – nämlich strukturelle Gewalt.