Sensationen, die keine sind

Ich hatte in den letzten Jahren nicht das Gefühl, dass behinderte Menschen zu wenig in den Medien vorkommen, sondern das Problem ist, wie sie vorkommen.

Ein Phänomen, das ich beobachtet habe ist, dass alltägliche Dinge dann zur Meldung werden, wenn sie von behinderten Menschen gemacht werden. Ein Beispiel liefert die Nordsee-Zeitung mit ihrem Bericht „Eine neue Perspektive für behinderte Menschen„.

Was ist die Nachricht?

Bevor ich meckere, der Beitrag ist sprachlich relativ in Ordnung, verwendet zumindest die richtigen Fachbegriffe. Allerdings habe ich mich von Anfang bis Ende gefragt, was eigentlich die Nachricht ist. Mehrere blinde Menschen arbeiten in der Telefonzentrale der Stadt Bremen? Ihre Kollegen können gut „mit der Einschränkung“ umgehen? Welche Einschränkung eigentlich? Zuvor wurde doch beschrieben, dass die beiden Hilfsmittel haben, die ihnen ermöglichen, am Bürgertelefon Auskunft zu geben?

Telefon
Bild: Rainer Sturm / Pixelio

So wird aus dem Alltag von behinderten Menschen eine Sensation, die keine ist. Es gibt kaum einen klassischeren Beruf für blinde Menschen als Telefonist. Das ist auch nicht wirklich „eine neue Perspektive für behinderte Menschen“ sondern die 08/15-Idee jedes drittklassigen Jobcentreberaters. Quasi der Klassiker für Blinde und Rollstuhlfahrer. Es ist eher überraschend, dass ein öffentlicher Arbeitgeber wie die Stadt Bremen von 33 Mitarbeitern nur drei behinderte Menschen in der Telefonzentrale hat.

Ja, es ist normal, dass auch blinde Menschen arbeiten – wenn man sie denn lässt. Das Problem ist nicht, dass sie nicht arbeiten können, das Problem ist, dass man sie vielfach nicht lässt, weil viele Arbeitgeber ihnen nichts zutrauen. Das wird leider nicht besser, wenn man ganz normal lebende behinderte Menschen als Sensation verkauft.