Wir binden Sie jetzt wieder los, versprochen!

Zeit für meinen persönlichen Jahresrückblick. Es wäre jetzt leicht irgendeinen völlig misslungenen Artikel eines Kollegen als abschreckendes Beispiel anzuführen. Nein, das mache ich jetzt bewusst nicht, sondern erinnere an einen Vorfall im Frühjahr, über den ich mich sehr gefreut habe.

Fehler macht jeder – aber nicht jeder reagiert so wie Hadubrand Schreibershofen, Chefredakteur von TV-Media. Dafür gebührt ihm Anerkennung.

Verärgerte Leserin schreibt an TV-Media

Begonnen hat alles mit einem Brief einer Leserin, die verärgert an TV-Media schrieb:

„Es gibt immer wieder Filme über Rollstuhlfahrer, und jedes Mal, wirklich jedes Mal, kommt in der Kritik die unnötig dramatisch-mitleidige Erwähnung vor: ‚Er/Sie ist an den Rollstuhl gefesselt.‘ Ich kann diese absolut dumme (Verzeihung) Bezeichnung nicht mehr hören bzw. lesen! Bitte erst denken, dann schreiben. Gäbe es keine Rollstühle, dann wären wir Querschnittgelähmte wirklich gefesselt – nämlich ans Bett.“

Positive Reaktion und Versprechen

Der TV-Media Chefredakteur, Hadubrand Schreibershofen, griff die Sache auf, druckte den Brief der Leserin ab, bedankte sich und antwortete:

„Ich bin verwundert, dass sich bei uns nicht schon eher jemand über un­seren – wie ich zugeben muss – unüberlegten Einsatz dieser Redewendung beschwert hat; oder zumindest ihre Sinnhaftigkeit hinter­ fragt hat. Auf jeden Fall danke für Ihren Hin­weis. Wir versprechen, dass wir in Zukunft barrierefreier denken wollen.“

Anscheinend hat er sich nach der Leserinnenreaktion wirklich mit der Sache beschäftigt sowie eine Broschüre dazu gelesen, aus der er zitiert: „… Sollten Sie trotzdem einmal eine an den Rollstuhl gefesselte Person sehen, dann bitte binden Sie sie los!

Er schloss seine Reaktion mit:

„Machen wir, versprochen!“

Wir binden Sie jetzt wieder los, versprochen!

Wir binden Sie jetzt wieder los, versprochen!