Die Welt gehört denen, die neu denken

Es ist einer meiner Lieblingswerbespots. Er stammt aus dem Jahr 2001 und ist in Cannes preisgekrönt worden.
Darin ist ein Mann in einem Rollstuhl zu sehen, der durch ein nagelneues Bürogebäude fährt. Plötzlich bleibt er mit einem Rad in einem Schacht am Boden hängen, der mit Lamellen abgedeckt ist.
Um den Rollstuhl wieder aus dem Loch zu bekommen, steht der nur scheinbar gelähmte Mann plötzlich auf. Es wird eingeblendet, dass es sich um einen Architekten handelt, und es wird klar, dass er sein eigenes Gebäude auf Barrierefreiheit getestet hat. Anschließend erscheint der Slogan der Zeitung „Die Welt“: „Die Welt gehört denen, die neu denken.“

Vorurteilsbeladen, mitleidserregend, klischeehaft

Und genau darum geht es in diesem Weblog, den wir jetzt starten. Wir glauben, es ist Zeit, „neu zu denken“, was das Thema Behinderung angeht – gerade und vor allem in der Medienbranche. Das bedeutet für Journalisten, auch neu darüber zu schreiben und zu berichten. Viel zu oft wird über behinderte Menschen vorurteilsbeladen, mitleidserregend, klischeehaft oder einfach falsch berichtet.

Wir glauben, es ist Zeit für einen Watchblog, der dokumentiert, wie aktuell über behinderte Menschen in den deutschsprachigen Medien berichtet wird und warum sich viele behinderte Menschen daran stören.
Nur wenn sich die Berichterstattung über behinderte Menschen und das Thema Behinderung nachhaltig ändert, wird das Ziel, eine inklusive Gesellschaft, in der behinderte Menschen gleichwertig teilhaben können, möglich sein. Denn viele nicht behinderte Menschen haben überhaupt keinen Kontakt zu behinderten Menschen. Ihre einzige Informationsquelle dazu sind die Medien. Erst wenn die Medien aufhören, behinderte Menschen als bemitleidenswerte, arme, hilflose Geschöpfe darzustellen – oder alternativ als Helden, die schon für die normalsten Dinge im Alltag bewundert werden müssen – wird sich auch am Bild der Gesellschaft von behinderten Menschen etwas ändern.

Herabsetzung ist kein guter Journalismus

So lange den Leuten immer wieder vermittelt wird, das Leben mit Behinderung sei in erster Linie ein tragisches Schicksal eines Einzelnen, das die Lebens- und Leistungsqualität so massiv einschränkt, dass nichts anderes wichtiger wäre, wird es schwierig, behinderte Menschen als Bürger, Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Menschen mit gleichen Rechten anzusehen. Als normaler Teil der Gesellschaft eben. Stattdessen findet eine Herabsetzung statt. Das führt zur Ausgrenzung.

Dabei geht es nicht nur um sprachlich unschöne Formulierungen, sondern auch um Fakten und Vorurteile, die einfach so nicht stimmen. Wir wollen diese dokumentieren und kommentieren, weil wir glauben, dass behinderte Menschen nicht mehr nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen sollten, wie über sie berichtet wird.